Die Rückläufigkeit (Retrograde)

Bewegt sich ein Planet von der Erde aus betrachtet rückwärts, ist dies eine besondere Zeit, mit der Sie klug oder weniger klug umgehen können. Hier erfahren Sie mehr über den Mythos „Retrograde“.

Dies zuerst: Kein Planet geht rückwärts. Es handelt sich um eine scheinbare Rückläufigkeit, die wir von der Erde aus beobachten. In der Astronomie spielt das Phänomen keine besondere Rolle, in der Astrologie dagegen eine gewichtige. Besondere Aufmerksamkeit erfahren die Rückläufigkeit des „Kommunikationsplaneten“ Merkur, die mehrfach im Jahr auftritt, sowie die Rückläufigkeit des „Liebesplaneten“ Venus. Dabei verdient die Rückläufigkeit der äußeren Planeten nicht weniger Aufmerksamkeit. Allgemein spricht die Astrologie bei der Rückläufigkeit davon, dass sich die Eigenschaften der Himmelskörper nach innen richten. Es handelt sich um Phasen der Reflexion und des Verstehens, nicht um Zeiten des Handelns.

Das Phänomen der Rückläufigkeit wurde bereits zu den Anfängen der Astrologie beschrieben: die Planeten ändern regelmäßig ihre Geschwindigkeit bis zum scheinbaren Stillstand und wechseln die Richtung, um erneut stehen zu bleiben und wieder vorwärts zu gehen. Normalerweise bewegen sich die Planeten vor dem Hintergrund der Fixsterne von Westen nach Osten, während die Erde die Sonne umkreist. Durch den Tierkreis bewegen sie sich vorwärtslaufend entgegen dem Uhrzeigersinn. Die optische Täuschung der Rückläufigkeit aus Sicht der Erde geht auf die Relativbewegung der Planeten zur Erde zurück, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Entfernungen um die Sonne bewegen. Daher sind Sonne und Mond von dem Phänomen der Rückläufigkeit ausgeschlossen.

Die Rückläufigkeit des Merkur

Da Merkur der Planet ist, der der Erde am nächsten liegt und sich am schnellsten bewegt, treten seine „Retrogrades“ am häufigsten auf – ungefähr drei bis vier Mal im Jahr für durchschnittlich drei Wochen. Die Häufigkeit und die Art der Wirkung hat die Merkur-Rückläufigkeit zum Star unter den „Retrogrades“ gemacht. Merkur herrscht über Kommunikation, insbesondere im technologischen Zusammenhang und alltägliche, praktische Dinge wie Autos, E-Mails, Haushaltsgeräte und ähnliches, was es ratsam macht, seine Rückläufigkeit zu verstehen und einzuplanen. Ist der Kommunikationsplanet rückläufig, kommt es häufiger zu technischen Pannen oder Misskommunikation. Falsch versendete E-Mails gelten als Klassiker. Es wird empfohlen, z.B. mit der Unterzeichnung von Verträgen zu warten, bis Merkur wieder vorwärts geht oder – sollte es sich nicht vermeiden lassen, besondere Sorgfalt walten zu lassen. Ein weiteres Phänomen, das berichtet wird: Menschen aus der Vergangenheit melden sich zurück, was zur Natur der Rückläufigkeit der Planeten passt. Diese Menschen kommen zurück, damit man noch einmal über das reflektiert, was sie überhaupt er zu einem gebracht haben könnte. Es ist nicht so, dass sie unbedingt zurückkommen, um zu bleiben. Sogar das Gegenteil ist sehr gut möglich: sie kommen zurück, damit man noch einmal spüren kann, warum man sich voneinander entfernt hatte.

Die Rückläufigkeit des Mars

Mars ist Feuer pur. Mars treibt an, Mars handelt, bevor er abwägt. Mars zögert nicht. Im richtigen Maße und kontrolliert eingesetzt, sind das sehr positive Eigenschaften. Mars gibt einem Antrieb, Entschlossenheit und Furchtlosigkeit. Gleichzeitig muss Mars lernen, andere Menschen und seine Umgebung in sein Handeln einzubeziehen, wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Mars, in der Mythologie der Kriegsgott, hat zerstörerische Wirkung, wenn er nur auf sich gerichtet handelt. Geduld, Umsicht und Empathie sind Fähigkeiten, die ihn wachsen lassen.

Ungefähr alle zwei Jahre ist Mars für ca. zwei Monate rückläufig. In dieser Zeit ist Umsicht im Umgang mit anderen besonders ratsam, denn misslungene Kommunikationen können leichter aus dem Ruder laufen und Konflikte eskalieren. Reaktives Verhalten kann zu Konsequenzen führen, die man nach der Rückläufigkeit bereut.

Die Rückläufigkeit des Uranus

Uranus gehört zu den drei „modernen“ bzw. jüngeren Planeten. Er wurde 1781 eher zufällig entdeckt. Aus der Sicht der Erde hinter Saturn liegend, ist er mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Uranus gilt in der Astrologie als der Rebell, der die Umstürze bringt. Das geschieht nicht, um uns in Krisen zu stürzen, sondern um uns zu befreien. Uranus reißt nieder, was uns am Wachstum hindert. Er möchte uns als Individuum und als Gemeinschaft nach vorn katapultieren und bedient sich dabei zweier Konzepte: Überraschung und Innovation. Mit Hilfe technologischer Innovation die Gesellschaft weiter zu entwicklen und gerechter zu machen, könnte mal als typisch für Uranus beschreiben. Wenn es um Überraschungseffekte geht, übertrifft niemand Uranus, er ist hier der Meister. Nur eines ist gewiss: es kommt anders. Man kann sich auf Uranus nicht vorbereiten oder versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen. Man kann Uranus nur annehmen. Wie Jupiter, Saturn, Neptun und Pluto ist auch Uranus ungefähr einmal im Jahr für ca. fünf Monate rückläufig und möchte unseren Blick auf innere Entwicklungen richten statt auf äußere Ereignisse. Unkonventionelle Ideen sowie ein verstärkter Wunsch nach Freiheit und Veränderung können verstärkt in den Vordergrund treten.

Die Rückläufigkeit des Pluto

Pluto ist in den alten Mythologien der Herrscher über die Unterwelt. Er will die tiefste Wahrheit ans Licht bringen und scheut keinen Schmerz, keine Scham oder Angst. Pluto ist der mächtigste der Götter hinsichtlich seiner Transformationskraft. Nicht ohne Grund werden ihm z.B. nukleare Themen zugeschrieben. Er kann uns zu sehr großer Umsetzungskraft verhelfen, schaffen wir es, seine positiven Energien zu nutzen. Gleichzeitig sollte man verstehen, dass Pluto zu obsessivem Verhalten verleiten kann. Er ist der „jüngste“ bzw. als letztes entdeckte unter den „modernen“ Planeten und der am weitesten von der Sonne entfernte. Während man seine Rolle in der Astrologie als mächtig bezeichnen kann, ohne zu übertreiben, wurde er im Jahr 2006 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) zum Zwergplaneten herabgestuft. Pluto ist wie die anderen Außenplaneten ungefähr einmal im Jahr für ca. fünf Monate rückläufig. Wendet sich Pluto nach innen, lädt er ein, wichtige innere Arbeit zu leisten, um sich z.B. von altem Schmerz zu befreien. Dafür holt er ihn an die Oberfläche. Scham und Angst können hier eine Rolle spielen und insbesondere im Rahmen intimer Beziehungen oder mit Blick auf gemeinsame Ressourcen auftreten – privater wie beruflicher Natur.

Die Rückläufigkeit der Venus

Venus, der sogenannte Liebesplanet herrscht z.B. über Beziehungen, materielle Dinge, Finanzen, Schönheit und ist ungefähr alle achtzehn Monate für ca. vierzig Tage rückläufig. Da ein rückläufiger Planet zum Innehalten, zur inneren Überprüfung und zum Reflektieren auffordert, überträgt sich dies im Falle von Venus auf diese Bereiche. Es empfiehlt sich, wichtige Entscheidungen ganz genau abzuwägen oder am besten zu verschieben, bis Venus wieder vorwärts geht. Es kann gut sein, dass man eine gerade kennengelernte Person nach dem „Retrograde“ in einem anderen Licht sieht. Also Rendezvous: ja. Heiraten: nein. Das Gleiche gilt für äußere Veränderungen. Haarschnitt: okay. Tätowierung: klares Nein. Während einer Venus-Rückläufigkeit kann es zu Irritationen in engen Beziehungen kommen. Steht Venus dazu auch in ungünstigen Positionen z.B. zu Mars, dem Hitzkopf oder Merkur, dem Kommunikationsplaneten, darf man sich auf Missverständnisse und Missstimmungen einstellen. Weise ist, wer sich dessen bewusst ist und behutsam mit den Energien arbeitet.

Die Rückläufigkeit des Jupiter

Jupiter, der größte Planet in unserem Sonnensystem, hat in der Astrologie die Bedeutung des Groß-Machers. Was Jupiter berührt, wächst über alle Maße – sowohl im Positiven wie im Negativen. Anders als die anderen Himmelskörper werden Jupiter keine niedrig-energetischen Eigenschaften zugesprochen. Er macht einfach alles größer. Im Positiven sind das Glück, Erfolg, Träume oder Projekte. Im Negativen verführt er dazu, sich in etwas zu verlieren und es zu übertreiben. Das kann alles betreffen: arbeiten, essen, feiern, reisen, spielen etc. Auch in der Astrologie bestätigt sich die Weisheit des Philosophen Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Wie die anderen Außenplaneten ist auch „Glücksplanet“ Jupiter etwa einmal im Jahr für ca. vier Monate rückläufig, jedoch sein „Retrograde“ wird in der Regel nicht als herausfordernd betrachtet. Wenn Jupiter sich nach innen kehrt, regt er zum Reflektieren über Träume, Projekte oder Gefühle an. Alles, von dem man möchte, dass es wächst, braucht Zeit der Vorbereitung und Planung.

Die Rückläufigkeit des Saturn

In der alten Astrologie wurde Saturn gefürchtet. Als die Menschen Krankheiten, Naturkatastrophen oder anderem Unheil oft ausgeliefert waren und auf gnädige Götter hofften, wurden Unglücke Saturn zugeschrieben. Er ist Herrscher über die Zeit, der große Lehrmeister, der mit strenger Hand agiert – das kann man aber durchaus auch positiv bewerten. Denn stellt man sich den Herausforderungen des Saturn und steckt die Arbeit und Energie in ein Projekt, eine Aufgabe oder Herausforderung, die sie erfordern, beschenkt er einen reich. Disziplin, Loyalität, Fleiß sind die Werkzeuge des Saturn. Er akzeptiert keine Abkürzungen oder Schummeln, er bestraft sie.

Als einer der Außenplaneten ist Saturn ungefähr einmal im Jahr für ca. vier bis fünf Monate rückläufig und lässt uns erst einmal einen Schritt nach vorn und zwei zurück gehen. Sich davon nicht entmutigen zu lassen und weiterzugehen, kann schwer sein, ist aber genau, worum es in dieser Zeit geht. Pläne überprüfen, sich vorbereiten und hinterfragen, recherchieren und proben, entsprechen einem nach innen gekehrten Saturn.

Die Rückläufigkeit des Neptun

Neptun wurde 1846 im Zusammenhang mit Berechnungen zu Uranus entdeckt und gehört damit ebenfalls zu den „modernen“ bzw. „jüngeren“ Planeten in der Astrologie. Entsprechend der Mythologien wird Neptun als Herr der Träume und Fantasie charakterisiert. Neptun setzt unserer Kreativität keine Grenzen und kann alles erdenken und erträumen. Was man träumt, kann man bauen, heißt es. Wichtig ist, dass man es auch tut. Hier liegt die Herausforderung für Neptun-Menschen, die lernen sollen, sich nicht im Träumen zu verlieren und stattdessen in der realen, physischen Welt etwas aufzubauen. Neptun ist als einer der Außenplaneten ungefähr einmal im Jahr für ca. fünf Monate rückläufig und fordert zum inneren Überprüfen und Reflektieren der eigenen Träume und Pläne auf. Macht man sich etwas vor oder verfällt man einer Illusion?

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